Unser Quartier

Eigentlich besteht das Kreativ.Quartier Ückendorf aus mindestens drei unterschiedlichen, aber direkt verbundenen Stadtlandschaften – und nicht nur aus einem Quartier. Jede hat ihre eigenen Geschichte und Herausforderungen, die sich jetzt ideal ergänze, wenn es darum geht, der Kreativität, der Kunst und der Soziokultur im Zentrum des Ruhrgebiets einen Wirk- und Entwicklungsraum zu geben. 

Von Gußstahl zu Kreativunternehmen

 

Die Mitte – quasi das Rückgrat – des Kreativ.Quartiers Ückendorf bildet die Fläche der ehemaligen Zeche Rheinelbe auf deren Teilfläche zuletzt noch ein großes Gußstahlwerk stand. Sie wandelte sich – idealtypisch für das Ruhrgebiet – ab der zweiten Hälfte der 1990er Jahre von einem montanindustriell verlassenen und ökologisch belasteten Gebiet in eine Heimat für Wissenschaft, Jungunternehmen, Kultur, Wohnen, Kunst und Naherholung. Preisgekrönte Architektur und denkmalgerecht sanierte alte Werksgebäude bieten mittlerweile den Raum für Kreativität, Kunst, Innovation und Unternehmensgeist. Halden- und Brachflächen sind nun rekultivierte, durch Kunstwerke markierte Naherholungsflächen und Orte der ökologischen Bildung.

 

Halfmannshof und schnelles Internet

 

Im Westen dieser Fläche befindet sich die Künstlersiedlung Halfmannshof. Gegründet in den 1920er-Jahren als Wohn- und Arbeitsort für Künstler, Kunsthandwerker oder Architekten wurde sie in den 1960er Jahren bekannt als der Ort, in dem die erste ZERO-Ausstellung gezeigt wurde und in der die heute hoch wertgeschätzten Künstler wie Uecker, Spindel, Piene und andere ein- und ausgingen. Ab 2010 wurde die Siedlung teilweise baulich verändert, teilweise renoviert und konzeptionell neu aufgestellt. Einige Flächen gingen Kunst und Kultur verloren, andere Flächen wurden für Co-Working-Spaces und Residence-Projekte entwickelt, neue Künstler- und Kreativschaffende zogen ein. Schnelle Glasfaserleitungen bieten die Infrastruktur, die junge Kreative heute brauchen. Die Vernetzung mit anderen Ort der Kreativwirtschaft und Kultur in ganz Europa sowie der Laborcharakter für neue Formen kreativ-künstlerischer (Gemeinschafts-)Arbeit bilden heute einen Schwerpunkt.

 

Urbane Strukturen und gesellschaftlicher Wandel

 

Der überwiegend gründerzeitlich geprägte Stadtraum im Osten zwischen den ehemaligen Zechen „Rheinelbe“ und „Alma“ ist der am dichtesten besiedelte Stadtraum des Kreativquartiers. Er zeigt sich als sehr komplex und different: Gesamtschule, Sportplätze, Stadtvillen, denkmalgeschützte Arbeitssiedlung, Blockbebauung mit teilgenutzten Werkstätten im Hinterhof, Mietwohnungen und Eigenheime, aufgegebene Nahversorgungsinfrastruktur u.a.m.. Dieser Stadtraum zeigt anschaulich die Folgen des demografischen und funktionalen Wandels ehemals reicher und mittelständischer Quartiere nach dem Strukturwandel. Früher geliebte Heimat all der Menschen, die durch die umliegenden Betriebe über und unter Tage ihr Geld verdienten und dieses dann wohnungsnah in den Lokalitäten und Geschäften wieder ausgaben, setzt mit dem Wegzug der Arbeitsplätze eine Erosion von Kaufkraft und Initiativkraft ein. Übrig bleiben Problemzonen, in denen die Eigentümer nicht mehr die Kraft zur Renovierung ihrer gründerzeitlichen Häuser haben. In denen sozial auffällige Bevölkerungsgruppen in unrenoviert und deshalb billigen Wohnraum nachrücken. In denen Desinteresse am Erhalt und an der Entwicklung des eigenen Wohnumfeldes sichtbar wird; was weitere Altbewohner zum Wohnungswechsel reizt. Am deutlichsten und immer wieder bevorzugt medial ausgeschlachtet wurde dieser Prozess im Bereich der Bochumer Straße und der unteren Bergmannstraße.

 

Stadterneuerung für die kreative Zukunft

 

Die Stadt Gelsenkirchen hat gegen diesen Prozess seit mehreren Jahren mit wachsender Intensität interveniert. Mit verschiedenen Programmen der Stadterneuerung, mit der Gründung einer Stadterneuerungsgesellschaft, mit der Ansiedlung von öffentlicher Infrastruktur und zuletzt mit der Ausweisung einer Teilfläche als Sanierungsgebiet. Die Flächen und Gebäude, aufgelassene Geschäfte und verfallenen Infrastrukturen bieten jene Räume, in die nun Kunst und Kreativität einziehen können, ohne alteingesessene Bevölkerungsgruppen zu verdrängen. Besonders durch das Wirken der Stadterneuerungsgesellschaft, die die „Schrottimmobilien“ aufkauft und sie dann behutsam, u.a. durch Zwischennutzungen, weiterentwickeln kann, erhält das Kreativ.Quartier Ückendorf hier einen kreativen Impulsraum mit ganz viel Entwicklungspotential. Ankerpunkte sind dabei sowohl die Entwicklung einer Häusergruppe mit aufgegebenen Kneipen, Sälen, Gärten und Wohnungen zu einem „kleinen Kiez“ mit verschiedenen, abgestimmten kulturellen Nutzungen als auch der Umbau der „Heilig-Kreuz-Kirche“ zu einem multifunktionalen Veranstaltungsraum. Gerade der backsteinexpressionistische Kirchenbau, der mit seiner so außergewöhnlichen Ausstrahlung den Stadtteil überragt, verweist auf die Geschichte und die Zukunft dieses Stadtraums.

 

Im Zusammenspiel solch unterschiedlicher Teile des Kreativ.Quartiers entstehen jene Potentiale, die Ückendorf lebendig und innovativ machen. Die zentrale Lage, die gute Verkehrsanbindung, die Zusammenarbeit von kommunaler und privater Initiative, die Fokussierung der Kommunalpolitik auf den Entwicklungsprozess, die Unterstützung von Landes-, Bundes- und EU-Programmen und nicht zuletzt das Engagement und der Ideenreichtum so vieler Menschen in und für „ihr Quartier“ – all das weist dem „Kreativ.Quartier Ückendorf“ den Weg in die Zukunft.