Rietveld Mobility Ruhr

Am 18. Oktober 2015, von 12 bis 18 Uhr, präsentierten Studierende der Amsterdamer Rietveld Academie der Künste – Fine Arts und DesignLab – die Ergebnisse ihrer einwöchigen Residenz im Gelsenkirchener Halfmannshof. Zwischen dem 9. und 17. Oktober wurde gesprochen, entfalteten sich Prozesse, es wurde gebaut, Füße liefen, und verbanden die Punkte miteinander. Was gibt es zu sehen und zu hören? Was bedeutet das Ruhrgebiet dem ewigen Außenseiter? Was für denjenigen, der immer hier wohnt? Oder für den, der nur zeitweilig bleibt? Die Rietveld Academie bleibt genau dazwischen. Wir, die Studierenden, sind hier neu, aber wir schauen, hören zu, erinnern uns und reflektieren.

 

... Die meisten Rietvelder waren neu hier, aber nicht alle. Bereits zum zweiten Mal gab es im Kreativ.Quartier Ückendorf eine Kooperation mit der Amsterdamer Gerrit Rietveld Academie. Im Mai 2014 fand eine erste, vierzehntägige, intensive Residenz von damals beinahe fünfzig Studierenden der Bildenden Künste auf der Bochumer Straße und in der Bergmannstraße statt.

Filme, Performances, Bildende Kunst, Interventionen, Musik und einiges dazwischen waren das Ergebnis, neben zahllosen Gesprächen und einem sehr lebendigen Austausch mit allen Menschen im Quartier – Impulse wurden gegeben und aufgenommen. So entstand eine Erfahrung, die für alle, die mit dem Projekt in Berührung kamen, nicht nur für die Studierenden, eine Bereicherung darstellte!  

Nach dem großen Erfolg dieses ersten Experiments also, dessen Ausgang keineswegs immer feststand, kamen in diesem Jahr die Urbanen Künste Ruhr als Partner für einen Arbeits- und Lernaufenthalt, ja, eine Kurzresidenz im Kreativ.Quartier an Bord, und das Augenmerk lag diesmal auf dem Halfmannshof. Auch wurde erstmals ein Thema vorgegeben: Mobilität. Wie es sich für ein solches internationales Projekt gehört, gingen der eigentlichen Residenz Monate der Gespräche, des Austausches und natürlich der sorgfältigen Planung voraus!

Und endlich, nach fast anderthalb Jahren, war es dann am 9. Oktober wieder so weit. Rietveld Mobility Ruhr hieß das neue Projekt. Langsam, aber stetig kamen sie auf dem Halfmannshof an: 27 Studierende der Abschlussklassen Bildende Kunst und Design aus 11 Ländern, also aus der ganzen Welt, die innerhalb von zehn Tagen ihre Ideen zum Thema Mobilität im Ruhrgebiet, im Kreativ.Quartier, im Halfmannshof entwickelten. Manche brachten ihre Vorstellungen mit, kannten das Ruhrgebiet vielleicht schon, versahen ihre Werke mit einem funktionalen Designansatz, oder sie vertrauten auf eine thematisch freie, rein künstlerische Annäherung. Die Studierenden des DesignLab arbeiteten hier bereits an ihrer Abschlussnote: Was sie in Gelsenkirchen erschufen, ist Teil ihres Endexamens, daher gab es neben allem Austausch und Spaß auch viel Ernsthaftigkeit beim Erproben von Konzepten.

Sah es am Anfang noch so aus, als seien zehn Tage viel zu wenig Zeit, um alle Vorhaben auch nur ansatzweise umzusetzen, wurde schnell deutlich, dass alle gemeinsam anpackten und aus der Not eine Tugend machten, Dann wurde eben auch nachts gearbeitet. Viele Studierende kannten sich vorher nicht, aber berichteten, wie spannend und schön sie es fanden, die Gelegenheit zu erhalten, mit ihren Kommiliton_Innen und den Projektverantwortlichen vor Ort so eng zusammenarbeiten zu können.

Nach einigen Tagen wurde auch klar, dass das Motto der Mobilität auch praktisch umgesetzt wurde: Die Stadt, der Wald um den Halfmannshof, Fahrrad- und Fußwege wurden, neben der für die Materialbeschaffung notwendigen Route zum Baumarkt, intensiv erkundet, und die Ergebnisse dieser Expeditionen flossen wie selbstverständlich in die Kunstwerke ein. So entstanden, wie im vergangenen Jahr, wiederum Arbeiten, die im besten Sinne ortsspezifisch waren, da die Studierenden sie nur hier und nur unter diesen Bedingungen hervorbringen konnten.

Am 18. Oktober dann stand der ganze Halfmannshof im Zeichen von Rietveld Mobility Ruhr. Alles war noch rechtzeitig fertig geworden, und das Publikum mischte sich unter die Studierenden, die Lehrenden der Rietveld Academie, das Team vor Ort und die Bewohner_Innen des Halfmannshofes. Dabei ging die gesamte Präsentation weit über eine Ausstellung hinaus, da die Werke sich ihre Orte suchten und auf Weisen erlebbar waren, die weitab eines jeden musealen Kontext standen. Zudem waren ja alle Kunstschaffenden selbst vor Ort, um Fragen zu beantworten, was sie auch gerne taten, und zwar gleich in einer ganzen Reihe von Sprachen.

Mittlerweile hat sich ein intensiver Kontakt zur Rietveld Academie, zu ihren Lehrenden und Studierenden, aufgebaut, und auch zu LICHT AN! 2015 wird eine Dokumentation der Rietveld Mobility Ruhr stattfinden, die auch einige der fertigen Werke zeigt – und es werden wohl auch wieder einige Studierende vor Ort sein!

  

RIETVELD MOBILITY RUHR / DETAILS 

TEAM

LEITUNG

Christiana Henke

ORGANISATION, ÜBERSETZUNG

Julian Rybarski

KÜNSTLERISCHE KOORDINATION UND KOORDINATION (NL)

Tobias Karlsson

PRODUKTION

Susanne Walter (Catering), Bettina Pahlen

TECHNIK

Jens Meier und Hendrik Freund

VERANTWORTLICHE PROFESSOREN

Joost Conijn, Tobias Karlsson, Jeroen Kramer, Bas Medik, Cathelijne Montens, Yvonne Dröge Wendel

 

GRAFISCHE KOMMUNIKATION

Alina Lupu

TEAM URBANE KÜNSTE RUHR

Katja Aßmann

Christina Danick

Ein Projekt der der Urbanen Künste Ruhr, der Gerrit Rietveld Academie Amsterdam und der Stadt Gelsenkirchen, Referat Kultur

 

FÖRDERER

PROJEKTE 

Feel for something
Mobility, a pipeline for the future

Lefki Mevissen (Niederlande)

Das Ruhrgebiet ist reich an verschiedenen natürlichen Ressourcen. War es früher Kohle, sind es jetzt die neuentdeckten unterirdischen Ablagerungen positiver Energie. Das Leben kann so weitergehen wie bisher. Es geht lediglich darum, diese Ressourcen anzuzapfen und zu verteilen. Bleiben Sie ruhig und machen Sie weiter.

 

Gelsenstof

Sjoerd Schunselaar (Niederlande)

Staub erscheint in den verschiedensten Formen, Farben und Größen. Die Partikel sammeln sich auf dem Boden und auf den Oberflächen drinnen und draußen, wie zum Beispiel in Rissen in der Wand oder im hohen Gras. Wetter und natürliche Hindernisse beeinflussen und bewegen kleine Teilchen, die von Erosion, Abgasen und menschlichen Zellen stammen.

Das Ruhrgebiet, einst bekannt für seine ungesunde Bergbauindustrie, verändert sich in einen Ort effizienter Energie und sauberer Luft. Diese Sammlung zeigt die Verschiedenartigkeit und die Schönheit der Teilchen, die in unserer Luft schweben.

MY TRUE STORY

Eva Bjarnadóttir (Island)

Ein Fußweg von Amsterdam nach Gelsenkirchen, vom 9. bis 17. Oktober.

Eine Geschichte, erzählt in Fragmenten, die ich durch verschiedene Tore visuell sammle oder fühle. Was habe ich gesehen? Was wollte ich sehen? Was habe ich nicht gesehen? Geformt durch meinen Körper und meine Wahrnehmung.

Ich lade dazu ein, mir Fragen zu stellen und über einen selbstgewählten Zugang einen persönlichen Eindruck von meiner Reise zu gewinnen.

Statik

Nicolas Chuard (Schweiz)

Ist ein Auto ohne Zugang noch ein Auto? Sollte sich eine Skulptur auf Rädern noch bewegen könnten? Ist ein Leben ohne Bewegung ewig? Durch diese Arbeit möchte ich den subtilen Unterschied zwischen einem nützlichen Gegenstand und einer Readymadeskulptur erforschen, insbesondere, wenn es sich dabei um ein Objekt handelt, das so symbolisch ist wie ein Auto in Gelsenkirchen. Das Thema „Mobilität“ nahm in Gelsenkirchen Form an, als ich merkte, wie schwierig es ist, im Ruhrgebiet ohne einen vernünftigen fahrbaren Untersatz unterwegs zu sein (ein Fahrrad hilft nicht viel) – und Gelsenkirchen ist so groß wie Paris!

 

www.blackwhiteandgreyhorse.com

Rafael Romero (Spanien)

„Du weinst wie eine Frau, die sich nicht wie ein Mann verteidigen kann“, sagte, glaubt man der Legende, Boabdils Mutter, als dieser während der Übergabe seines Königreiches an die katholischen Könige schluchzte. Von Zeit zu Zeit ist das Gedenken an eine geschichtliche Begebenheit eingefangen in einem Zitat oder in einer Bemerkung, obwohl die Spuren der Geschichte hauptsächlich in der Landschaft sichtbar werden. Zum Beispiel ist Architektur meist das rezenteste Grab der Vergangenheit, und manchmal ist die Präsenz der Geschichte aufgrund ihrer ständigen visuellen Wirkung nicht negierbar. Oft ist die Neuverwendung geschichtlicher Stätten verbunden mit dem Erschaffen neuer Bedeutungen, und dann wird die Geschichte neu geschrieben.

Touch upon

Sophie Floor Wartenbergh (Niederlande)

Eine Übung, die Kontakt erzeugt.

An fünf Orten in Gelsenkirchen wird eine Rahmensituation für Aufmerksamkeit entstehen, offen für Benutzung jeder Art.

Stellen Sie einen Gegenstand, eine Person oder jede andere Form auf dieses Podest

Bewegen Sie sich fort

Beobachten Sie

Genießen Sie

 

How to get lost maps

Arek Kouyoumdjian (Frankreich)

Um das Ruhrgebiet zu entdecken, habe ich mich jeden Tag zu einer vier- bis fünfstündigen Wanderung aufgemacht. Dabei habe ich mich regelmäßig verlaufen und gemerkt, dass in Gelsenkirchen keine Karten hängen. Zunächst habe ich also fotografiert und 10 Verlaufenskarten danach angefertigt. Die Karten wurden gedruckt und sind an 10 Orten im öffentlichen Raum verfügbar, fünf an Bushaltestellen, wie ein verstreutes Puzzle, verbunden durch Geographie und Zeit.

RPE Document 2015

Delaney Clark (USA)

Ein Dokument in Form eines Buches und eines PDF-Dokumentes zeigt das Engagement einiger Teilnehmender in einer alternativen, zukünftigen Wirklichkeit. Alle Spielenden erschufen ihre eigenen Charaktere, die dann jeweils auf Fragen zu diesem Thema antworteten: Wie würde die Gemeinschaft der Kunst- und Kulturschaffenden darauf reagieren, wenn alle EU-Staaten sämtliche Förderung für die Künste einstellten?

le cheval, c'est trop génial

Kristine Bech Sørensen (Dänemark)

Pferde rennen auf Weiden – manche schaffen mehr als 65 Stundenkilometer. Pferde sind edle Geschöpfe. Schlachtet man Pferde, sind die Hufe ein Nebenprodukt, Abfall.

Ich finde Hufe schön. Abgelöst vom Pferd scheinen sie vulgär und hübsch gleichzeitig. Der Huf verspricht Bewegung – wie ein Rad an einem Fahrrad.

Ein Haus ist unbewegt.

Ich baue ein Haus. Ich benutze Hufe als Ziegelsteine und Schweifhaare als Dach.

WAIT

Martin Alexandre Alonso (Spanien)

Unsicherheit: Kichern – wenn jemand zum dritten Mal versucht, seine Botschaft rüberzubringen – nur um sicher zu sein, dass wir nicht nochmal fragen müssen, auch wenn wir nichts verstanden haben. Dissimilation: Aufschrieben, was man sich nicht einmal zu denken traut. Von Wut zu Angst: Verletzbarkeit. Ich beginne, diese verdammten Wörter auszustreichen, aber dennoch entdecken wir die geheimnisse dahinter.

Synonyms

Aram Jang (Südkorea)

Namen. Die Benannten. Die Unbenannten. Es gibt einen Zeitpunkt, an dem alles seinen Namen verliert. Die Benannten. Die Unbenannten. Hier. Dort. Dies. Das. Ich. Du. S.i.T. Die da.

Developing Negative Space

Didi Lehnhausen (Niederlande)

Nicht ganz verschwunden, doch nicht mehr am Leben, ein Zwischenzustand, festgehalten im Film. Die Fabrik ist nicht mehr da, es bliebt nur ihr Skelett. Bewohnt von Leere, Geräuschen und allem, was zerstörerisch wirkt. Das Leben der Fabrik verlängern über ihre Spuren, während ihr Korpus sich verflüchtigt.

Hopscotch

Johanna Arco (Österreich)

Seit Anbeginn sesshaften menschlichen Lebens war der Tisch ein grundlegender Ort privater, gemeinschaftlicher und öffentlicher Zusammenkünfte. Als Plattform für Mahlzeiten strukturierte er die täglichen Abläufe innerhalb einer Gemeinschaft und brachte diese in regelmäßigen Abständen zusammen. Heutzutage muss sich eine Tischplatte einer neuen Weise des Verbrauchs und neuen Arbeits- und Tagesabläufen anpassen. Ist es möglich, die Kommunikation einzufangen, die an den Tisch gebunden ist, wenn dieser keine Oberfläche aufweist?

Testgalerie

Jens Toni Willumsen (Schweden) & Max Daalhuizen (Niederlande)

Betreten Sie eine Traumwelt und werden Sie Zeugen des Unmöglichen. Ein riesiger Berg, Gewalt der Natur, geschüttelt von Blitzen und Witz. Schaukeln Sie auf diesem majestätischen Ding über Ihren Köpfen.

In No Time

Eva Verheul (Niederlande)

Ein einminütige Reise durch das Wasser im Ruhrgebiet. Wie viel ist wenig Zeit, und wie viel ist viel? Viele Stunden können Sekunden sein, und damals jetzt.

Memento

Anouk Buntsma (Niederlande)

Der Wert und die Schönheit eines Ortes sind in allen Dingen vorhanden. Eine Umgebung anzunehmen und ihre Aspekte in einem gegenständlichen Objekt einfangen, um sie zu schätzen und uns zu erinnern. Spuren werden hinterlassen, und Erinnerungen werden Souvenirs.

Untitled

Sophie Serber (USA)

Mein Projekt besteht darin, nach Venedig zu verschwinden und einen Fisch zurückzulassen, um den sich andere kümmern müssen. Ich werde nicht direkt sagen, dass ich gehen werde, lediglich die abhängige Kreatur wird an die Verantwortlichkeit der Zurückgebliebenen appellieren. Ich werde die Biennale in Venedig besuchen, einen Ort der Hyper-Entortung der Kunst, hin zu einem leeren Zustand , ohne auch nur noch den Hauch eines Zusammenhanges zu behaupten. Durch diese Aktion hoffe ich, eine Leere zu erzeugen. Ich versetze bestimmte Erfahrungen von dort zusammen mit Bildern aus Gelsenkirchen.  

Egg(s)

Eli Sobel (USA)

Können große Entfernungen zum Verschwinden gebracht werden? Stellt man eine Skulptur in Essen auf und eine identische in Gelsenkirchen, muss man dann noch reisen?

Testgalerie

Aram Jang (Südkorea)

Namen. Die Benannten. Die Unbenannten. Es gibt einen Zeitpunkt, an dem alles seinen Namen verliert. Die Benannten. Die Unbenannten. Hier. Dort. Dies. Das. Ich. Du. S.i.T. Die da.

"Talk, don't listen"

Alina Lupu (Rumänien)

Ein Ort, um die Kommentare während der Woche zu verarbeiten. Eine offene Struktur für den verschobenen Dialog zwischen zwei Enden in unserem Treffpunkt. Eine Reflexionsmöglichkeit über unsere Gedanken zum Ruhrgebiet. Potential für Geräusch, Austausch und Stille.

A local displacement

Suzanne Bernhardt (Niederlande)

Ich lade alle herzlich zu einer festlichen Präsentation des Objektes ein, das ich während meines Aufenthaltes in Gelsenkirchen erschaffen habe. Wir werden die vielen Interaktionen feiern, die dieses Vorhaben ermöglicht haben!

Unstable ground

Lillian Vlaun (Aruba)

Zwei Skulpturen, die das Wachstum und die Verbindungen zwischen den Städten des Ruhrgebietes darstellen. Die Werke sind auch durch die künstlichen Berge der Städte inspiriert.

Bus Stop

Anton Karlsson (Schweden)

Die Erhöhung der Geschwindigkeit ist für alle Organismen überlebenswichtig in einer darwinistischen Welt, Geschwindigkeit ist das Streben nach Faulheit, danach, Sachen zu erledigen, anzukommen, als Kollektiv bewegen wir uns schneller, doch glauben wir, langsamer zu sein, und nichts ist langsamer als das Warten auf jemand anderen.  

SHIFT

Arthur Maduro (Aruba)

Starren durch drei verschiedene Vierecke, alle in verschiedenen Farben, um einen RGB-Effekt auf deiner Netzhaut zu erzeugen. Durch den einzelnen Blick durch diese drei Rahmen wirst Du Unterschiedliches sehen. Es verändert Deine Sehgewohnheiten.          

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